Tannen

 

Botanischer Name: 
Abies alba (Weisstanne) und
Picea abies (Rottanne)

Familie: Pinaceae (Kieferngewächse)

 

Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum - wie treu sind deine Blätter - du grünst nicht nur zur Sommerzeit - nein auch im Winter wenn es schneit ...

Es gibt wahrscheinlich kaum jemanden der dieses Lied und die Pflanze nicht kennt. Ruhig, beständig und unspektakulär stehen die Tannen in der Landschaft.

Wir erleben eine ganz andere Stimmung, ob wir durch einen Nadelwald oder eine Buchenmischwald schreiten. Der Buchenmischwald ist geprägt vom Miterleben des Jahreskreises. Lichtdurchflutet und hellgrün leuchtende Blätter im Frühling, schattenspendendes Laubdach im Sommer und in den schönsten braun-rot-gelben Farbtönen erleuchtend im Herbst, nur im Winter stehen die Bäume wie erstorben in der Landschaft. Die Tannen behalten im Gegensatz dazu ihre Blätter (Nadeln) und der Jahreslauf ist nur sichtbar durch den Blütenprozess, doch dieser spielt sich in der Regel mehrere Meter vom Boden entfernt ab und kann meist nicht so genau beobachtet werden. Dieses Durchtragen der Blätter duch die kalte und lichtarme Jahreszeit galt den Menschen seit jeher als Sinnbild des Lebens. Nimmt der Mensch nun diesen Tannenbaum zur dunkelsten Jahreszeit in seine Wohnung und schmückt diesen noch mit Kerzen und Äpfel, so dient dies der Hoffnung auf das wiederkehrende Licht und dem damit verbunden neuen Leben. 

 

Botanik 

 

Die Tannen sind immergrüne Nadelbäume und sind sogenannte Nacktsamer, d.h. die Samen reifen ohne umhüllenden Fruchtknoten. Sie gehören zur Familie der Kieferngewächse und dort zur Unterfamilie der Tannenähnlichen. Diese Gewächse besitzen getrenntgeschlechtliche Blüten in Form von zapfenartigen Blütenständen und werden über Windbestäubung befruchtet. 

Es sind Bäume, welche keine reich verzweigten Baumkronen bilden, sondern mächtige, säulenartig aufragende Hauptstämme bis in die Spitze des Baumes. Die Weisstanne ist der grösste europäische Baum, er kann bis zu 60 m hoch werden und weist dann einen Durchmesser von bis zu 3,5 m auf. 

Die Holzbildung hat bei den Tannen Vorrang, sogar die Blumenblätter verholzen (Zapfen mit den Samenanlagen). Deshalb werden sie auch seit Urzeiten durch den Menschen genutzt und kultiviert. Die Kulturdauer beträgt durchschnittlich 100 Jahre. 

Die Tannen bevorzugen natürlicherweise die nördlichen Regionen und das Gebirge. Die Fichte ist schneller aufschiessend und geht weiter nach Norden und klettert höher im Gebirge, dafür wird die langsamer wachsende Weisstanne älter und grösser. 

Die Photosynthese wird im Winter fast vollständig eingestellt. Die Frostresistenz nimmt mit den kürzer werdenden Tagen zu (bis -60°C) dies geschieht duch die Anreicherung von Zucker. Gegen Spätfröste im Frühling sind sie jedoch empfindlich.

 

Rottanne oder Fichte (Picea abies)

  • Borke rotbraun
  • Die Nadeln sind spitz und im Querschnitt vierkantig, sie werden ca. 4-7 Jahre alt
  • Empfindlich gegenüber Luftverschmutzung, die Nadeln verbleiben dann nur 1-3 Jahre am Baum (Bioindikator)
  • Ältere Zweige sind rauh, da ein "Blattkissen" beim Abfallen der Nadeln am Zweig verbleibt
  • Flachwurzler, deshalb auch anfällig für Sturmschäden
  • Weibliche Zapfen jung aufrecht, später hängend

Weisstanne (Abies alba)

  • Borke weiss, gräulich (gibt dem Schwarzwald den Namen)
  • Nadeln flächig, die Spaltöffnungen gut geschützt in zwei unterseitigen Wachsstreifen (Austrocknungsschutz)
  • Im Gegensatz zur Rottanne glattere Zweige (Nadeln fallen ganz ab)
  • Zusammengezogene ,verhärtete dunkelgrüne Nadeln bis zu 10 Jahre alt
  • Zu Beginn tief reichende Pfahlwurzel (später Herzwurzel)
  • Weibliche Blütenstände (Zapfen) stehen aufrecht und zerfallen am Baum (ein Tannzapfen am Boden ist praktisch nie von einer Weisstanne) 

 

Naturheilkunde

 

Auffallend ist bei den Tannen neben der Holzbildung auch die Inhaltsstoffbildung. 

Von aussen kaum wahrnehmbar, produzieren die Tannen Substanzen, welche sonst in der Pflanzenwelt vor allem in warmen Regionen gebildet werden, ätherische Öle und Harze. Die ätherische Öle der Tannen riechen sehr würzig erfrischendend und im Speziellen die Weisstanne erinnert an den Duft von Zitronen.

Die Fähigkeit im kühlem Klima diese Wärmesubstanzen zu bilden, weisen auf ein verinnerlichtes Lebensfeuer hin. Die ätherischen Öle wirken bereits wohltätig bei einem Spaziergang durch einen Tannenwald. Gewonnen durch Wasserdampfdestillation können diese als Badezusatz oder als Einreibungen angewendet werden und bewirken eine Anregung des menschlichen Wärmeorganismus und werden deshalb bei Erkältungen und bei Arthrose äusserlich angewendet. Auch in Inhalationsmischungen für den Einsatz bei Schnupfen werden die ätherischen Öle der Tanne gerne verwendet.

Der Harz tritt bei der kleinsten Verletzung der Rinde aus und wird sogar von Knospen und Zapfen ausgeschwitzt. In frühern Zeiten wurde Rottannenharz als Ersatz für den kostbaren Weihrauch  verwendet, deshalb wurde er auch "Weihrauch des Nordens" genannt. Volksmedizinisch kann aus dem Harz auch eine Zug- und Wundsalbe hergestellt werden.

Die Maitriebe der Rottanne werden zur Herstellung von Hustensirups, z.B Pulmonium Hustensaft (Wala) oder Drosinula (A. Vogel), verwendet. Das Ernten der Triebe bedarf jedoch der Zustimmung des Försters.

Die Räucherungen mit Harz oder auch den Nadeln stärken die Nerven, wirken beruhigend und harmonisierend auf die „wunde“ Seele des Menschen. Der Mensch findet meist Ruhe und erlebt eine schicksalsordnende Kraft. Dies kann gerade in Zeiten des Abschieds und des Übergangs eine Hilfe darstellen.

 

 

Verwendung

 

Tannen erfahren seit Urzeiten eine breite Verwendung.

  • Bauholz 
  • Brennholz mit guter Brennbarkeit wegen der Durchtränkung mit Harzen
  • Wichtiger Rohstoff der Papierindustrie (Zelluloselieferant)
  • Zur Herstellung von Schindeln (gute Spaltbarkeit)
  • Verwendung als Weihnachtsbaum, ist erst seit Anfang des 19. Jahrhunderts dokumentiert
  • Als Klangholz für die Herstellung von Geigen verwendete Stradiwari das Holz von langsam gewachsenen Fichten
  • Der Harz lässt sich durch Destillation trennen in Terpentin (flüchtig) und Kolophonium (Rückstand)
  • Nicht zu vergessen ist der leckere Tannenhonig, welcher im Wesentlichen ein Ausscheidungsprodukt von auf Tannen lebenden Blattläusen darstellt und von den Bienen von den Nadeln "abgeleckt" wird

 

     

    Ausserdem

     

    Zwischenzeitlich existieren Untersuchungsergebnisse welche die wohltuende Wirkung von Holz im Wohn-, Lern- und Arbeitsbereich aufzeigen. In einer Studie des Physiologen und Mediziners Professor Dr. Maximilian Moser von der Uni Graz konnte nachgewiesen werden, dass Schüler in mit viel Massivholz ausgestatteten Klassenzimmer wesentlich entspannter waren als Schüler in Klassenzimmern ohne Holz. Die Herzfrequenz der Schüler im Holzklassenzimmer waren deutlich tiefer und aggressives Verhalten wurde weniger festgestellt. Das Raumklima, welches im wesentlichen durch die verwendeten Materialien geprägt ist, scheint also ein mitbestimmender Faktor zu sein um ein gutes Lernumfeld, mit weniger Nervosität und Aggressivität, zu schaffen. Das Holzschulzimmer bestand u.a. aus Weiss- und Rottanne, daneben wurden aber auch Eiche, Buche und Zirbelkiefer verwendet. Wichtig scheint zu sein, dass die Oberfläche des Holzes nicht behandelt wird.

    Zuletzt sei noch auf ein Märchen aus dem Entlebuch hingewiesen. Es ist dies ein Märchen, welches das Thema des Aschenputtels aufgreift. In der Entlebucher Version heisst das Mädchen Aschengrübel und für das wesentliche Bindeglied zwischen der Vergangenheit und der Zukunft steht die Tanne,  in deren Schutz die Schätze der Vergangenheit sicher verwahrt werden. Viel Spass beim lesen .... "Aschengrübel" aus dem Entlebuch"